Erfahrungsbericht Richtfunklösung auf WiFi-Basis mit overturn GmbH

Anbieter overturn GmbH
Note sehr gut
Autor Eberhard R.

Ich lebe in einem kleinen Ort im vorderen Odenwald, in dem es bis vor rund neun Monaten überhaupt kein DSL (nicht einmal DSL-Light) gab. Nach drei Jahren Anbieter-Suche, Kampf mit der T-Com und anderen Bürokratien wurde bei uns eine Richtfunklösung auf WiFi-Basis installiert. Diese zapft ein DSL-Backbone mit ausreichender Bandbreite in einem ca. 8 km entfernten Nachbarort an.

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Die Richtfunkstrecke geht von dort aus auf einen oberhalb unserer Ortschaft gelegenen Funkmast, der von der DFMG (Deutsche Funkmast Gesellschaft) betrieben wird. Bei entsprechenden topografischen Voraussetzungen tut es aber auch ein öffentliches Gebäude wie etwa ein Wasserturm o. ä., was die Kosten senkt, da die Preise für die Miete des Antenneplatzes bei der DFMG recht heftig sind. Von diesem Mast wird das Signal auf zwei Sektorantennen und einen Repeater verteilt, die die unterschiedlichen Siedlungsflecken in der topografisch sehr zerrissenen Ortschaft versorgen. Jeder Teilnehmer benötigt eine Richtantenne von ca. 20 x 20 cm, die auf die jeweilige Sektorantenne bzw. Repeater ausgerichtet ist. Der größte Abstand zwischen Funkmast und Teilnehmer beträgt momentan rund 4,5 km.

Im Grunde handelt es sich bei dieser Lösung nicht um klassisches DSL, sondern um eine Breitbandanbindung mit zur Zeit wahlweise echten (gemessenen) 1, 2 oder 6 Mbit/s Bandbreite Download und 128, 256 oder 512 kbit/s Upload, von der sich die VoIP-Telefonie pro Leitung zwischen 80 und 100 kbit/s abknappst. Für Telefonie hat man die Wahl zwischen 150 Freiminuten oder Deutschland-Flatrate ins Festnetz. Wohl ziemlich einzigartig, jedenfalls nach meinem Kenntnisstand, dürfte die Möglichkeit sein, den Tarif jeweils zum Monatsende nach oben oder unter kostenfrei zu wechseln. Die Realisierung paralleler Leitungen (wie bei ISDN) ist durch Zubuchung zusätzlicher SIP-Accounts möglich, ebenso wie SDSL-Verbindungen Das eingesetzte Sprachprotokoll ist SIP, das im Gegensatz zu bspw. Skype die Sprachpakete grundsätzlich priorisiert.

Der Provider overturn empfiehlt als Router die Fritzbox 7170 oder 7270, mit denen Pessimisten auch parallele Festnetzanschlüsse betreiben können. Und über die hervorragende Benutzeroberfläche der Fritzbox brauche ich wohl keine unnötigen Worte zu verschwenden. Die Verwendung von billigeren Routern anderer Hersteller ist ebenso möglich, nach meinen Erfahrungen mit deren Benutzeroberflächen aber nicht unbedingt ratsam, zumal die FB von overturn zu marktüblichen Preisen und dazu vorkonfiguriert angeboten werden. Wer sich also nicht nebenberuflich zum IT-Spezialisten ausbilden will, ist damit bestens bedient.

Ich bin nun seit nun seit Juli 2009 über overturn im Netz und telefoniere über VoIP, hier meine Beurteilungen:

Sprachqualität: Exzellent, besser als zuvor über Festnetz, was möglicherweise auch durch die bei mir eingesetzte Fritzbox 7270 und die Telefone Fritzfone MT-D unterstützt wird.

Zuverlässigkeit: Abgesehen von sehr gelegentlichen Aussetzern oder Verbindungsabbrüchen, die durch einen Wechsel des Carriers minimiert werden sollen: hervorragend. Auch Starkregen oder Schneefall beeinträchtigen die Verbindung nicht. Die wenigen Störungen, die bisher aufgetreten sind, waren binnen weniger Stunden (zwischen 2 und 3) behoben; Hotlinekosten: keine.

Nachteile:
1. Der Verbindungsaufbau dauert gelegentlich etwas länger als über das Festnetz, was aber eigentlich nicht stört.
2. Einige Faxgeräte, nach meinen Erfahrungen hauptsächlich Multifunktionsgeräte (Scanner/Fax/Drucker), haben Probleme, eine Verbindung aufzubauen. Soweit mir bekannt, ist das aber ein grundsätzliches Problem von Fax über VoIP.
3. Die monatlichen Kosten sind – bedingt durch den kompletten Neuaufbau einer Telekommunikations-Infrastruktur – etwas höher als die Dumpingpreise, die in Ballungszentren angeboten werden, liegen aber immer noch um Größenordnungen unter den Kosten, die vorher für Internet- und Telefonverbindung (analog oder ISDN) angefallen sind.

Gesamtbeurteilung: 1,2. Die 0,2 Punkte Abzug sind den gelegentlichen Aussetzern geschuldet, die aber nicht dem Provider und der eigentlichen VoIP-Technologie anzurechnen sind.

Fazit: VoIP hat meines Erachtens einen Entwicklungsstand erreicht, der diese Technologie uneingeschränkt empfehlenswert macht – sofern man den richtigen Provider hat.

Empfehlung: Wer in einer schlecht oder gar nicht mit DSL versorgten Region wohnt, sollte sich auf alle Fälle näher mit overturn beschäftigen. Allerdings ist in solchen Fällen eine vorherige Bedarfsanalyse sinnvoll, da der Aufbau einer neuen TK-Infrastruktur eine bestimmte Anzahl von Kunden voraussetzt.

Provider: overturn GmbH (http://www.overturn.de),

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