iPhone Meinungen und Kommentare
(m)iPhone von Marc L.
Schon Monate vor der eigentlichen Markteinführung des iPhone kannte es jeder schon: in übergroßer Papp- und Plastikgestalt hing es von Decken, in Schaufenster, strahlte es einen verlockend aus den Kundenmagazinen aller Netzbetreiber und aus der Tagespresse an. Jetzt ist es endlich auf den US-amerikanischen Markt gekommen, gekoppelt an einen (im Vergleich zu anderen Anbietern) nicht ganz günstigen Vertrag mit dem Mobilfunk-Giganten AT&T. Mehr noch als seine vielfältigen Funktionen ist es die Design-Nähe zum iPod, die einen großen Wiedererkennungswert garantiert und eingefleischte PODisten eigentlich keine andere Wahl als das iPhone lässt. Steve Jobbs hat mit energischem Einsatz und bemerkenswerter Präsenz während der letzten Monate den Spannungsbogen dermaßen aufgezogen und dabei meisterhaft verstanden, das eigentliche Objekt der Begierde gut abzuschirmen, dass die eigentlichen Funktionen dieses Smart-Phones kaum sachlicher Überprüfung unterzogen werden konnten.
Was sicherlich ins Auge springt, ist die piktografische Benutzeroberfläche, d.h. die eindeutig einzuordnenden Symboltasten und der funktional-futuristisch anmutende Touch-Screen, der das Verschieben von Dateien, Bildern u.ä. leicht von der Hand gehen lässt. Auch wenn die Speicherkapazität nicht allzu groß ist, ist der Akku für etlcihe Stunden Musikhören und Stand-by ausgerüstet. Eher bescheiden fällt die Digi-Cam mit 2 Mega-Pixeln aus, doch wer will schon glasklare Bilder machen können, während er W-Lan verbunden Musik aus dem Netz lädt und bei Google-Maps den nächsten Apple-Laden ansteuert, um sich ein neues Akku einbauen zu lassen.
Selber wechseln ist nämlich leider nicht vorgesehen und man ist gut beraten, sich alle Bilder, Musik und sonstige Dateien vorher in einem Backup gesichert oder sich einfach gut eingeprägt zu haben, denn bei einem Akku-Wechsel gehen alle Daten verloren. Weniger abhanden scheint die Hoffnung auf eine deutsche Markteinführung rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft zu sein. Wer und ob es einen Exklusiv-Anbieter geben wird, steht noch nicht fest. Fest jedoch steht, dass es mit einem Preis von knapp 500 Euro ein erschwingliches Weihnachtsgeschenk, vornehmlich für 'Selbstbeschenker' sein wird. Einfache Handhabung, edles Design, viel Mac, wenig Speicher und eine mittelmäiße Kamera. Das iPhone, ein Smart-Phone für Clevere.
Kleines Gerät mit (zu) großer Wirkung
Der Firma Apple gebührt Hochachtung. Nicht unbedingt für ihre Produkte. Sondern für ihre Fähigkeit, die Produkte so zu vermarkten, dass die Nachfrage jegliche rationale Gründe übersteigt. Oder welchen vernünftigen Grund könnte es geben, dass sich Hunderttausende Amerikaner letzten Freitag wie die Verrückten in die Läden gestürzt haben, um viel Geld für ein Mobiltelefon auszugeben? Dass Einige sogar Tage vor dem Verkaufsstart auf der Straße campen, um ein iPhone zu erwischen? Dass die amerikanischen Medien seit Wochen über kaum etwas anderes berichten? Dass der erste Verkaufstag von allen wichtigen Sendern und Zeitungen des Landes begleitet wurde?
Apples Marketing verdient großes Lob. Irgendwie hat die Firma es geschafft, dass alle ihre Produkte fast überall auf der Welt als Kult gelten. Bereits beim iPod wurden immer wieder Stimmen laut, dass das Gerät technisch weit hinter Konkurrenzprodukten zurück bleibt. Dass Reparaturen teuer sind und vor allem oft nötig. Dennoch hat sich der iPod als DER MP3-Player etabliert. Unter jungen Leuten ist er ein Muss, andere Firmen kämpfen mit einem extremen Image-Problem - an dem Apple vermutlich nicht ganz unschuldig ist mit seinen offensiven Marketingstrategien.
Ebenso wird es vermutlich auch beim iPhone laufen: Das Äußere verführt. Die inneren Werte zählen wenig. Optisch ist es ja wirklich eine Zier: nur einen Zentimeter dick, glatte Oberfläche, ein riesiges Display, das sich mit leichten Berührungen steuern lässt. Und natürlich ist die Idee, iPod und Handy zu kombinieren, eine spannende Innovation. Telefonieren, Musik hören, Videos gucken, Emails schreiben, im Internet surfen – die Kombination der Möglichkeiten ist einmalig. Es bleibt nur abzuwarten, ob Apple seine vollmundigen Versprechungen an die Technik auch halten kann. Die Kamera zum Beispiel bleibt weit hinter der Messlatte zurück, die andere Handy-Produzenten gelegt haben. Zwei Mega-Pixel? Die Konkurrenz kann mindestens das Doppelte. Auch die Datenübertragung beim Herunterladen von Musik und Videos lässt zu wünschen übrig.
Und was ist mit all den anderen Funktionen, die bei Handys heute Standard sind – bei Handys dieser Preisklasse vor allem? Wie sortiert der iPhone-Kunde seine Kontakte ohne durchsuchbares Adressbuch? Warum ist der Akku nicht austauschbar, warum kann man keine MMS verschicken, warum gibt es keinen Steckplatz für Speicherkarten?
Aber wie gesagt, all das zählt bei den Käufern nicht. Es zählt nur eins: Das iPhone ist cool. Und deshalb wird es wahrscheinlich einen Triumphzug antreten. Auch wenn sein Preis von knapp 500 Euro wirklich happig ist. Aber echte Apple-Fans werden auch das verzeihen. Denn bis das erste iPhone unreparierbar kaputt geht, hat sich das Marketing von Apple bestimmt etwas Neues einfallen lassen: Wie man die Kunden davon überzeugt, sich nach einem Jahr das nächste innovative Gerät für teures Geld zu kaufen.
Für deutsche Kunden ist besonders ein Aspekt von Apples Firmenpolitik lästig: Dass es nur einen Vertriebspartner in jedem Land geben soll. Das wird in Deutschland bekanntlich T-Mobile sein – Vodafone, E-Plus und O2-Kunden freuen sich. Zum teuren Anschaffungspreis kommt also für iPhone-Besitzer auch noch ein Wechsel des Netzbetreibers. Und dessen Preise, die über den des früheren Anbieters liegen könnten. Ob das neueste Produkt aus Apples Produktionshallen das alles wert ist, muss jeder für sich selbst entscheiden.
Ich habe mich bereits klar entschieden.
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