IPTV
"Die Leute lieben das Fernsehen, aber sie hassen es auch. Sie lieben die teils ganz erstaunlichen Geschichten, die reiche Auswahl und die Qualität. Aber sie hassen gleichzeitig die Eintönigkeit, den Mangel an echter Auswahl und elementaren Angeboten wie einigermaßen komfortablen Suchfunktionen. Fernsehen? Das sind 507 Kanäle, mehr nicht. Wir werden helfen, das zu ändern."
Der damit zitierte Janus Friis ist nun seit Oktober 2006 vollauf damit beschäftigt, mit seinem "Joost" genannten Internet-TV-Projekt das klassische Fernsehen abzulösen. Ein extrem hochgestecktes Ziel, aber angesichts der Tatsache, dass er mit seinen ehemaligen Projekten wie Skype und KaZaa gleich zwei Industriezweige - die Telekommunikations- und die Musikbranche - kräftig umgekrempelt hat, sollte man ihn dabei ernst nehmen.
Seine hochgesteckten Ambitionen - und natürlich auch die von vielen anderen Internet-TV-Projekten - fallen auf fruchtbaren Boden: Der Unterhaltungsbedarf ist da und die derzeitige deutsche Fernsehlandschaft ist sowieso gerade im Umbruch.
Vom wechselnden Verbreitungsmedium abgesehen (das ehemals analoge Fernsehen wird jetzt per DVB-C/S/T ausgestrahlt) ist es zusätzlich ein inhaltlicher Wandel.
Den frei empfangbaren öffentlich-rechtlichen Sendern sowie den großen Privatsendern nehmen kleine Spartensender immer mehr Zuschauer ab, denn scheinbar treffen diese mit ihren stark spezialisierten und flexiblen Programmen zunehmend den Geschmack der Zuschauer. Zumindest den der verbliebenen Zuschauer, denn auch andere attraktive Unterhaltungsmedien wie Computerspiele und das Internet beanspruchen Zeit, genauso wie die teilweise verlängerten Arbeits- und Schulzeiten. Diese Zeit steht dann natürlich nicht mehr zum Fernsehen zur Verfügung.
Hat man auf der einen Seite das recht hochwertige, aber auch entsprechend zu bezahlende Angebot der Pay-TV-Sender, kann man bei den frei empfangbaren Sendern in den letzten Jahren außerdem einen extremen Qualitätsverfall des gesendeten Programms beobachten.
Ein gutes Vollprogramm kostet natürlich sehr viel Geld, dass durch höhere Produktions- und Lizenzkosten, sinkende Werbeeinnahmen (weniger Zuschauer) und gestiegene Renditeansprüche der Sendereigentümer "nicht einfach" oder "einfach nicht" zu bezahlen ist. Neben den sogenannten Programmhighlights wird daher sehr viel Massenware, deren Preis pro Sendeminute sehr gering ist, ins Programm gehievt: Billig produzierte Shows, Boulevardsendungen, schlecht kopierte Serienformate aus den USA oder Großbritannien. Auch benutzen viele Zuschauer den Komfort der zeitverzögerten Aufzeichnung durch ihren neuen Festplattenreceiver - die Werbung wird dann einfach übersprungen und kommt nicht mehr an.
Während man nun als Zuschauer seinem Kabelnetzbetreiber ausgeliefert ist, was die eingespeisten Sender angeht, oder noch schlimmer nur einen Antennenanschluss hat, mit dem man einige wenige Programme sowie deren Programm-Zusatzinformationen über DVB-T empfängt, hat man mit dem Satellitenempfang schon deutlich mehr Alternativen. Noch mehr Alternativen, insbesondere den Rückkanal für die echte Interaktion, bietet allerdings das Fernsehen der nächsten Generation - das IPTV.
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