Die Nachteile des IPTV
Man bindet sich mit dem IPTV-Vertrag an einen Anbieter. Sollte es dort eine Störung geben, kann es sein, dass man weder Internet, Fernsehen oder Telefon hat. Das Ausfallrisiko bei getrennten Anbietern und vor allem getrennten Übertragungsmedien ist geringer. Sollte es bei der Übertragung selbst Störungen geben, beispielsweise durch eine ungenügende Anschlussbandbreite oder einen technisch nicht ausreichend ausgerüsteten IPTV-Provider, wird es massive Bildstörungen geben.
Durch die bei der Übertragung eingesetzte Datenkompression wird das Bild, vereinfacht erklärt, in kleine Klötzchen zerlegt. Fehlt nun das Datenpaket mit diesem Klötzchen oder kommt es zu stark verzögert an, dass es noch in das aktuelle Bild eingefügt werden kann, wird an dieser Stelle ein stark sichtbarer und störender Bildfehler angezeigt. Falls mehrere Datenpakete fehlen, kann es sogar dazu führen, dass einige Bilder bei der Übertragung ausgelassen werden und das Bild entsprechend ruckelt.
Je nach verfügbarer Bandbreite und verwendetem Kodierverfahren bei der Datenkompression benötigt ein Umschalten zwischen den einzelnen Sendern wesentlich länger als beim herkömmlichen Fernsehen, allerdings auch nicht länger als bei DVB. Notorische "Zapper" werden dies vielleicht als größten Nachteil empfinden.
Auch wird das vom Sender ausgestrahlte Fernsehbild durch dieselben technischen Gegebenheiten um etwa eine bis zwei Sekunden verzögert, bevor es beim Empfänger dargestellt wird. Das kann bei der Europameisterschaft sehr unangenehm werden, wenn der Nachbar klassisch Fernsehen schaut und schon einige Sekunden vor Ihnen jubelt…
Für jedes Fernsehgerät im Haushalt ist eine eigene Set-Top-Box nötig.
Die zum Fernsehen verbrauchte Bandbreite steht anderen Endgeräten im Haushalt wie beispielweise dem PC nicht mehr zur Verfügung. Findet keine Priorisierung der Fernsehdaten statt, kann beispielsweise ein längerer Download auf dem PC mit hoher Geschwindigkeit das empfangene Videosignal stören.
Das Aufzeichnen der gerade laufenden Sendung kann durch deren Rechteinhaber unterbunden werden. Wünscht ein Filmverleih beispielsweise, dass der neue Bruce-Willis-Film nicht mit dem Festplattenrecorder aufgenommen werden darf, wird diese Funktion mittels DRM (Digital Rights Management) während des Films untersagt.
Die Interaktivität bedingt auch einen weiteren potentiellen Nachteil: den Verlust der Anonymität. Das Zuschauerverhalten kann durch den Anbieter genauestens verfolgt werden, es besteht die Möglichkeit, personalisierte Werbung beispielsweise in laufenden Fußballübertragungen einzublenden "Lieber XYZ, besuchen Sie doch den nächsten Sportausstatter in der ABC-Straße."
Über Ihre gesammelten Sehgewohnheiten kann Ihr IPTV-Anbieter Daten über ihre Lebenssituation gewinnen und diese bei einem mangelhaften Datenschutz zusammen mit ihrem Fernsehnutzungsprofil an Dritte, wie Marktforschungsinstitute, Werber oder Firmen direkt weiterverkaufen.
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