Auf einem Analystengespräch kündigte der Prozessorhersteller AMD an, in Zukunft verstärkt auf kombinierte Lösungen aus Grafikchip und Prozessor zu setzen. Klassische Desktop-Prozessoren hingegen genießen kaum noch Aufmerksamkeit. Dafür möchte AMD offenbar Intels Ultrabooks Konkurrenz machen.
Noch vor einigen Jahren tobte auf dem Markt für PC-Prozessoren ein reger Konkurrenzkampf. Übrig geblieben sind inzwischen nur noch zwei Hersteller – AMD und Intel. Und auch wenn der Jahresumsatz von AMD gerade einmal so groß ist wie der Quartalsgewinn von Intel, macht AMD dem Chipgiganten immer wieder Konkurrenz mit teils ungewöhnlichen Produkten. Etwas misslungen war hingegen die Vorstellung der neuen Bulldozer-Prozessoren für den Desktop-Einsatz im vergangenen Jahr. Diese ursprünglich für Server konzipierten CPUs benötigen zu viel Energie und bringen Privatanwendern zu wenig Leistung für den geforderten Preis. Intel hingegen brilliert seit einiger Zeit mit den schnellen und energiesparenden Sandy-Bridge-Prozessoren.

AMD konzentriert sich auf Kombiprozessoren
Eine Besonderheit von Sandy Bridge ist die für Büroanwendungen ausreichend schnelle integrierte Grafikeinheit direkt im Prozessorkern. Solche Kombilösungen bietet auch AMD unter dem Codenamen Llano. Diese erfreuen sich sowohl im Desktop-Bereich als auch in Notebooks großer Beliebtheit, auch wenn es Llano an Prozessorleistung fehlt. Dafür überzeugt Llano mit recht guter Grafikleistung, die auch für das eine oder andere Spiel ausreicht und mit guten Treibern ausgestattet wurde. Da sich moderne Grafikkerne relativ frei auch für andere Anwendungen programmieren lassen, plant AMD in Zukunft, die in die CPU integrierte GPU als Beschleuniger für die Prozessorfunktionen zu nutzen. Ursprünglich nannte AMD dieses Konzept „Fusion“, bekam vor kurzem aber rechtliche Probleme bei der Nutzung dieser Bezeichnung.
Eben diese Kombiprozessoren sollen in Zukunft wohl das Hauptgeschäft von AMD ausmachen. Noch im Frühjahr soll zu diesem Zweck mit Trinity ein Nachfolger von Llano erscheinen, der nicht nur mehr Rechen- sondern auch mehr Grafikleistung auf den Monitor bringen soll. Zu diesem Zwecke setzt AMD bei den bis zu vier Prozessorkernen eine überarbeitete Bulldozer-Architekur ein, für die Grafik ist ein Beschleuniger auf Basis der aktuellen HD7000-Grafikchips vorgesehen. Bis zu 20 Prozent mehr Leistung verspricht sich AMD durch diese Neuerungen. Vor allem im Notebook soll diese Kombination für viel Leistung bei geringem Energiebedarf sorgen. So sind Trinity-Modelle mit nur 17 Watt Energieaufnahme angekündigt, die grafikstarke und flache Notebooks ermöglichen sollen, die in Konkurrenz zu Intels Ultrabooks stehen könnten.
Für den Desktop ist neben eigenen Trinity-Derivaten vorerst nur ein neuer Prozessor für den Sockel AM3+ angekündigt. Mit weiter optimierten Bulldozer-Kernen, insgesamt bis zu acht Stück, soll im Herbst 2012 die enttäuschende Vorstellung der ersten Bulldozer-Generation vergessen gemacht werden. Dass AMD dem klassischen Desktop-Prozessor aber nur noch geringe Bedeutung zumisst, beweisen eher die fehlenden Ankündigungen: wahrscheinlich wird es im kompletten Jahr 2013 keine Aktualisierung der Prozessorplattform geben. Schlechte Zeiten also für PC-Schrauber – AMD überlässt hier mangels konkurrenzfähigen Angeboten dem Konkurrenten Intel das Feld der leistungsfähigen Desktop-CPUs fast kampflos. Deren für April 2012 angekündigten Ivy-Bridge-Prozessoren sollen mit maximal nur 77 Watt Energiebedarf, integrierter DX11-Grafik und vier hochtaktenten Rechenkernen für neue Leistungsrekorde sorgen.