Protest gegen RFID-Funketiketten: Demonstration gegen Gerry Weber Modehäuser

Weil der Modekonzern Gerry Weber die unter eigenem Label verkauften Kleidungsstücke RFID-Etiketten einnähen lässt und so theoretisch ein Bewegungsprofil seiner Kunden anfertigen könnten, protestieren Mitglieder des FoeBud e.V. in der Bielefelder Innenstadt vor einem Modegeschäft.

Protest gegen RFID-Funketiketten: Demonstration gegen Gerry Weber Modehäuser

Protest gegen RFID-Funketiketten: Demonstration gegen Gerry Weber Modehäuser

RFID-Funketiketten sind praktische kleine Helfter für Unternehmen und Logistik. Die Etiketten lassen sich aus bis zu acht Metern Entfernung per Funk auslesen und geben wertvolle Informationen über den Standort der Ware. Verlorene Kisten mit teuren Produkte in einer dunklen Lagerecke sollen so der Vergangenheit angehören, der gesamte Logistik- und Warenwirtschaftsprozess kann vereinfacht und effizienter gemacht werden. Doch RFID-Chips bieten nicht nur Vorteile – wenn ein Unternehmen es will, kann es mittels der Chips auch Bewegungsprofile seiner Kundschaft anfertigen. Da die Etiketten sich eben aus den bereits erwähnten acht Metern Reichweite noch auslesen lassen, könnten Firmen so nachforschen, in welchen Geschäften die Kundschaft mit ihrer Kleidung sonst noch so einkaufen geht. Dass es sich dabei nicht nur um ein Gedankenspiel handelt, beweist ein US-Patent, nach dem eben solche Marktforschungsmaßnahmen mithilfe von RFID-Etiketten machbar sind und von Unternehmen durchaus gewünscht werden. Praktisch für die Unternehmen ist dabei, dass die RFID-Chips eine weltweit eindeutige Seriennummer senden.

Der FoeBuD e.V. (Verein zur Förderung des öffentlichen bewegten und unbewegten Datenverkehrs) setzte nun auf eine öffentlichkeitswirksame Aktion um das Interesse der Bevölkerung auf die RFID-Chips und Gerry Weber zu lenken. Vor einem Gerry-Weber-Damenmodegeschäft in der Bielefelder Innenstadt lasen die Mitglieder des Vereines die RFID-Etiketten der Produkte aus und projizierten den Inhalt für alle lesbar auf eine überdimensionale Sprechblase. So war es unter anderem möglich, anzuzeigen, wie oft die jeweilige Kundin mit ihrem Kleidungsstück bereits im Laden war und was sie sonst noch an RFID-bewehrter Ware mit sich trägt. Auch eine Passantin, die zuvor nicht im betroffenen Geschäft einkaufte, löste den Funkalarm der FoeBud-Mahner aus: Ihre vor über einem Jahr gekaufte Jacke war ebenfalls mit einem noch immer funktionsfähigen RFID-Chip versehen.

Gerry Weber betont allerdings die Transparenz des Unternehmens im Umgang mit RFID. In den Läden werde auf die Chips hingewiesen, allerdings kennen sich die Mitarbeiter des Modegeschäftes nur selten mit der Funktechnik aus und können daher wenig über eventuelle Datenschutzrisiken verraten. Angeblich sollen RFID-Etiketten nur wenige Waschvorgänge überstehen bevor sie das Zeitliche segnen – in Einzelfällen können die Chips aber jahrelang unbemerkt Daten übermitteln.

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