Die Windows-Betriebssysteme blicken auf eine lange und erfolgreiche Vergangenheit zurück. Windows 3.1 fand sich seinerzeit trotz eher zweifelhaftem Nutzen als reiner Grafikaufsatz für MS-DOS auf fast jedem Rechner, Windows 95 ließ DOS schließlich komplett überflüssig werden und Windows XP gilt noch immer als das beliebteste Windows-Betriebssystem. Fehlschläge wie Windows ME und Windows Vista steckte Microsoft erstaunlich gut weg – angesichts des großen Erfolges von Windows 7 wirkt das ungeliebte Vista schon beinahe vergessen. Doch Microsoft konzentrierte sich mit all diesen System nur auf den Markt der „großen“ PCs auf Basis von Intel- oder AMD-CPUs, im Fachjargon als x86-Architektur bezeichnet. In den vergangenen Jahren, eigentlich direkt seit der Präsentation des iPad von Apple im Jahr 2010, veränderte sich der Computermarkt allerdings drastisch und selbst für Marktbeobachter ungewohnt schnell.
Mit Tablet-PCs eroberten kleine und flexible Computer die Wohnzimmer, selbst Computerverweigerer kamen plötzlich mit der intuitiven Touchbedienung eines iPad zurecht. Tablets wurden zu beliebten Zweit-Computern und Einstiegspunkt für Neulinge – allerdings eignen sich Tablets primär zum Konsumieren von Inhalten, weniger zur produktiven Arbeit. Betriebssysteme wie Android und iOS bringen zwar einen mittlerweile sehr großen Fundus an Apps mit, richtige Arbeitsprogramme wie Officepakete finden sich dabei aber eher selten. Und selbst wenn – so richtig effektiv geht die Arbeit nicht vonstatten.

Übersichtlich ist der neue Taskmanager geworden
Ein weiterer Trend im PC-Bereich sind kleine Computer und All-in-One-PCs. Auch hier erfand Apple zwar keine Produktklasse, schaffte es aber in kurzer Zeit sie auf dem Markt zu etablieren. Wo Hersteller wie Acer, HP und Dell viele Jahre verzweifelt um Kunden kämpften, überzeugten die ansehnlichen iMacs auf Anhieb eine größere Nutzergruppe. Wer nun aber nicht auf MacOS umsteigen möchte und auch die recht hohen Preise von Apple nicht zu zahlen bereit ist, findet spätestens seit dem Erfolg der platzsparenden iMacs auch unzählige Alles-in-einem-Rechner von anderen Herstellern. Diese nutzen die Gelegenheit, um sich mit Touchsteuerungen von Apple abzuheben. Allerdings mit einem Nachteil: Windows 7 eignet sich nur sehr bedingt für die Bedienung mit dem Finger. Zwar hat Microsoft im Vergleich zu den Vorgängersystemen zahlreiche Schaltflächen vergrößert und das ganze System vorsichtig an Touchbedienungen angepasst, die Neuerungen fielen aber zu zaghaft aus, um wirklich überzeugen zu können. Vor allem auf kleineren Bildschirmen, wie sie bei Tablets üblich sind, verzweifeln Nutzer an weiterhin zu kleinen Eingabeflächen und Buttons – ohne Stift lässt sich Windows 7 auf kleineren Bildschirmen nicht sinnvoll bedienen.
Um den aufstrebenden Tabletmarkt und auch das Segment der All-in-One-Touchscreenrechner nicht kampflos an Apple und Google zu übergeben, setzte Microsoft in den vergangenen Jahren große Anstrengungen in die Entwicklung von Windows 8. Dieses soll mit einer fingerfreundlichen Startoberfläche in Kacheloptik, Metro genannt, sowohl per Maus und Tastatur als auch per Touch gut bedienbar sein und die beiden noch immer getrennten Welten „Tablet“ und „PC“ zusammenführen. Der Anwender soll eine einheitliche Oberfläche vorfinden, egal ob er mit dem Tablet oder dem Notebook arbeitet, Programme sollen auf beiden Plattformen laufen und Arbeitsergebnisse sich entsprechend leicht austauschen lassen.
Zu diesem Zwecke wurde bei Windows 8 der Startbildschirm stark an die Bedürfnisse von Touchgeräten wie eben Tablets angepasst. Metro, die bereits bei Windows Phone auf dem Smartphone etablierte Kacheloberfläche, eignet sich hier sehr gut. Der Spagat, den Microsoft gehen muss, ist allerdings der, ein einziges Betriebssystem für mehrere komplett verschiedene Welten zu produzieren. So bieten selbst Highend-Tablets im direkten Vergleich mit aktuellen Mittelklasse-PCs oder Notebooks nur einen Bruchteil der Leistung. Ein Quadcore-ARM-Prozessor arbeitet nicht viel schneller als die für Windows 7 als vollkommen unterdimensioniert geltenden Atom-CPUs aus dem Hause Intel. Die Speicherbestückung eines Tablets gilt als luxuriös, wenn ein Gigabyte RAM verbaut ist während kaum ein aktueller PC mit weniger als vier oder gar acht Gigabyte Speicher ausgeliefert wird. Hinzu kommt der Bedarf an Festspeicher – Microsoft gibt für Windows 8 ein Minimum von 16 Gigabyte an, was mit ein wenig Puffer für zusätzliche Updatedateien in der Zukunft durchaus sinnvoll erscheint. Ein aktuelles Android oder iOS benötigt weniger als 500 Megabyte.
Ob Microsoft der Spagat zwischen Highend-PC und Tablet gelingt, während sich selbst Apple eine solche Doppelentwicklung nicht zutraut und lieber weiterhin MacOS und iOS trennt, wird sich zeigen müssen. Eine Vorschau bietet die am 29. Februar 2012 erschienene „Consumer Preview“ von Windows 8 – eine frei zugängliche Betaversion des für Herbst 2012 erwarteten Betriebssystems.
Hübsch, praktisch, überflüssig auf dem PC? Die Metro-Oberfläche
Zentraler Punkt von Windows 8 ist die Metro-Oberfläche. Zwar meldet sich ein Windows-8-Nutzer auch über einen Startbildschirm bei seinem Benutzerkonto an, darauf folgt aber nicht der bislang gewohnte Sprung auf den Desktop sondern die Metro-Oberfläche. Diese besteht aus einer Vielzahl verschiedener Kacheln, jede Kachel repräsentiert eine Anwendung. Auch die Desktop-Oberfläche wird in einer Metro-Kachel dargestellt, ist also weiterhin verfügbar aber eben nur noch zweitrangig. Bei entsprechender Programmierung zeigen die Metro-Kacheln auch dynamisch Inhalte an. Die Mail-Kachel beispielsweise informiert schon in der Übersicht über neue Post, die Fotobetrachtung-Kachel wechselt die Bilder im Foto-Ordner durch, die Wetterbericht-App zeigt das aktuelle Wetter an. Alte, noch nicht für Metro angepasste Anwendungen, werden nach der Installation ebenfalls als Kachel dargestellt, ihnen fehlt es aber an den Vorschaumöglichkeiten und einem hübschen Präsentationsbild – es wird nur das bereits von vorherigen Windows-Versionen bekannte kleine Icon gezeigt.

Auf dem Tablet kann Windows 8 beweisen, dass die neu Bedienung für Touchgeräte sehr gut geeignet ist
Metro-Kacheln lassen sich verschieben und gruppieren. So ist es möglich, Anwendungsgruppen zu gestalten – alle Bildbearbeitungstools kommen in einen Abschnitt, Spiele in den nächsten und so weiter. Hier zeigt sich, dass es mit der Maus deutlich leichter fällt, die Kacheln umherzuschieben und zu gruppieren, die Touch-Steuerung wirkt noch etwas zu träge.
Da die Kacheln relativ groß sind – spezielle Anwendungen können sogar größer als die quadratischen Standard-Kacheln sein und sich auf dem Bildschirm so abheben – bleibt je nach Auflösung des Monitors nicht genug Platz für alle benötigten Anwendungen. Zu diesem Zweck lässt sich der Metro-Bildschirm nach rechts und links verschieben. Auf dem Tablet funktioniert es mit einem Fingerwisch unter den eigentlichen Kacheln, auf dem PC wird dazu das Scrollrad genutzt. Die Oberfläche lässt sich auch bequem in der Größe verändern – auf dem Tablet geht das, indem die Finger wie beim Vergrößern von Bildern gespreizt werden, am PC muss die STRG-Taste gedrückt gehalten werden während mit dem Mausrad die Größe eingestellt wird.
Erfahrungen mit Metro konnte Microsoft bereits mit dem Smartphone-Betriebssystem Windows Phone sammeln. Und tatsächlich, die Metro-Bedienung funktioniert auf Touch-Geräten sehr angenehm und verschafft eine gute Übersicht über installierte Programme. Die Möglichkeit, sich Programmgruppen zu bauen, sorgt für weiteren Komfort. Nicht alle Apps und Programme sind in der Metro-Ansicht sofort sichtbar – wenig genutzte Tools können auch vom Hauptbildschirm entfernt werden, sie verbleiben dann in der Ansicht „Alle Apps“, was ungefähr dem Startmenü älterer Windows-Versionen entspricht. Mit wenig Aufwand lassen sich diese Programme dann aber auch wieder an die Metro-Hauptwand anheften – oder auch an die klassische Desktop-Taskleiste.
Autor: Dennis Ziesecke