Für Rechner mit einem „Certified für Windows 8“-Logo gibt Microsoft strenge Design- und Hardwarevorgaben aus. Vor allem Tablethersteller dürften unter dem engen Korsett leiden, selbst für kleinste Bauteile gibt Microsoft genaue Anweisungen.

Windows 8 - Hardwarespezifikationen bekannt
Viel Mühe hat Microsoft dabei in die Ausarbeitung der Tablet-Spezifikationen und die der Convertible-PCs gesteckt. So soll die Bildschirmauflösung mindestens 1366 x 768 Bildpunkte betragen, eine verbaute Front-Webcam muss mindestens mit 720p auflösen. Nach der Windows-Installation sollen laut Richtlinie noch mindestens 10 Gigabyte freier Speicher auf dem Datenträger des Tablets vorhanden sein, ebenfalls müssen Magnetfeldsensorgen, Lagesensoren, ein Lichtsensor und ein Beschleunigungsmesser vorhanden sein. WLAN sowie Bluetooth 4.0 sind ebenfalls fest vorgegeben. Microsoft geht so weit, sogar die Form und Position einzelner Tasten vorzugeben. So müssen an bestimmten Positionen ein Einschaltknopf, eine Lautstärkewippe und ein Knopf für die Bildschirmausrichtung sowie eine Windows-Taste angebracht werden. Ebenfalls festgelegt wurde, wie sich die Tasten anfühlen müssen. Für Tablets und andere Touch-Geräte sind Multitouch-Displays Pflicht, die Bedienung muss dabei mit mindestens fünf Fingern erfolgen können, da Microsoft zahlreiche Gesten zur einfacheren Bedienung integrieren möchte. Auf älteren Geräten, die sich nur mit einem oder zwei Fingern bedienen lassen, wird Windows 8 zwar trotzdem funktionieren, da aber nicht alle Funktionen bereitgestellt werden können, bleibt diesen Geräten das Windows-Logo versagt.
Einige dieser Vorgaben sind durchaus sinnvoll und es ist zu sehen, dass Microsoft aus der Vergangenheit gelernt hat. Aktuelle Windows-Tablets werden teilweise mit lächerlich kleinen Speichern ausgestattet, so dass selbst bei Modellen ohne die Möglichkeit, den Speicher per SD-Karte zu erweitern nur noch wenige Gigabyte zur freien Verfügung bereit stehen – Programme installieren, eigene Daten speichern ist so fast unmöglich. Auch die Vorgaben zur Touchbedienung sind durchaus praktisch, sorgen doch zahlreiche All-in-One-Computer mit einfachen Touchdisplays für einen schlechten Ruf von Windows auf Touchgeräten. Microsoft möchte sich mit Windows 8 definitiv nicht im Billig-Segment wiederfinden sondern strebt teure und gut ausgestattete Geräte an.
Denn eines ist sicher: Die strengen Vorgaben werden vor allem für höhere Preise sorgen. Windows-Tablets werden aufgrund der engen Designvorgaben nur selten weniger als 600 Euro kosten können, der Preis erster Modelle dürfte sich sogar eher Richtung 800-1000 Euro bewegen. Damit konkurrieren Windows-Tablets schon nicht einmal mehr mit Apples iPad sondern mit vollwertigen Notebooks. Googles Android-Partner mussten jedoch gerade einsehen, dass neben dem iPad nur wenig Spielraum für teure Tablet herrscht, so dass sich aktuell zahlreiche besonders preiswerte Android-Tablets in der Entwicklung befinden.
Windows 8 für Desktop- und Notebook-PCs indes stellt keine großen Anforderungen an Computer und Entwickler. Die Systemanforderungen sollen auf dem Niveau von Windows 7 liegen – und dieses läuft mit fast jedem Rechner flüssig, der mit Windows XP gut zurecht kommt.