Die unterschiedlichen Vista-Editionen

Microsoft hat sich entschieden, statt den wie bei Windows 2000 und XP vorhandenen drei Versionen - Home, Professional und Server - sein Windows Vista gleich sechs in verschiedene Versionen, Editionen genannt, herauszubringen. Einerseits lassen sich durch diese weiteren Abstufungen relativ preiswerte, auf den jeweiligen Anwendungsfall zugeschnittene Windowsinstallationen ausliefern, andererseits entsprechen diese Anwendungsfälle nicht immer dem realen Leben. So werden teilweise sehr nützliche Features unnötig beschnitten und der interessierte Käufer muss sich vor dem Kauf erst einmal gründlich über den Funktionsumfang der gewünschten Edition informieren.

Windows Vista Home Basic
"Vista Home Basic" ist die zweitkleinste nach der nur in Entwicklungs- und Schwellenländern angebotenen und extrem eingeschränkten "Vista Starter"-Edition. Es entspricht vom Funktionsumfang etwa dem bekannten Windows XP Home. Die Zielgruppe wird als kostenbewusst und anspruchslos an die erweiterten Multimedia- und Netzwerkfähigkeiten von Vista eingeschätzt. Konsequenterweise müssen die Käufer dieser ab etwa 70EUR einzeln angebotenen Version auf die Aero-Glass-Oberfläche verzichten. Ebenso unterstützt diese Edition nur einen einzigen Prozessor (also keine Dual- und Quadcore-CPU). Es gibt 32- und 64bit-Versionen von "Home Basic", die 32bit-Version kann 4GB RAM benutzen, die 64bit-Variante bis zu 8GB RAM.

Windows Vista Home Premium
Aufbauend auf der "Home Basic"-Edition enthält die "Home Premium"-Edition erweiterte Features wie den vollen Aero-Glass-Funktionsumfang sowie Unterstützung für HDTV und die DVD-Erstellung. Auch kann man mit der hier vorhandenen "Meeting Space"-Version Videokonferenzen nicht mehr nur anhören, sondern auch selbst mitreden. Es werden nun Touchscreens (Stichwort TabletPC) und die kleinen, "SideShow" genannten Zusatzdisplays unterstützt. Die Anzahl der gleichzeitigen Netzwerkverbindungen (Windows-Freigaben etc.) sind jetzt nicht mehr nur auf 5, sondern auf 10 beschränkt. Auch lässt sich bei "Home Premium" das Datenbackup zeitgesteuert einschalten. Wie bei der "Home Basic"-Edition wird auch hier wieder nur eine CPU unterstützt, allerdings darf diese beliebig viele Prozessorkerne (Dual- oder Quadcore) enthalten. Die 32bit-Version kann 4GB RAM benutzen, die 64bit-Variante bis zu 16GB RAM.

Windows Vista Business
Die Vista-Entsprechung von "Windows XP Professional" ist die "Business"-Edition. Wie der Name schon sagt, sind Unternehmen die Zielgruppe dieser Edition. Der Funktionsumfang entspricht dem der "Home Basic"-Edition, erweitert um die Möglichkeit des Beitretens zu einer ActiveDirectory-Domäne, den IIS Webserver, den Fax-Support, der ausführlichen Rechteverwaltung für Dateien, Dateisystem-Verschlüsselung, die Fernsteuerung über den "Remote Desktop", die Möglichkeiten der Volumenschattenkopie und des kompletten Systembackups und -Wiederherstellung. Es werden 2 CPUs mit beliebig vielen Kernen unterstützt, die 64bit-Edition kann bis zu 128GB RAM ansprechen.

Windows Vista Enterprise/Ultimate
Für geschäftlich genutzte Notebooks kann die Enterprise-bzw. die um die Home-Premium-Features erweiterte Ultimate-Edition besonders interessant sein, denn zusätzlich zum Umfang der Business-Edition enthält sie die Bitlocker-Laufwerksverschlüsselung. Diese chiffriert den Inhalt einer komplette Festplatte, so dass man ohne entsprechendes Passwort (oder Fingerabdruck bzw. Smartcard) das System nicht starten kann und auch nicht an die gespeicherten Daten herankommt. Falls so ein Notebook also mal abhanden kommen sollte, muss die Firma nicht mehr gleich um alle dort gespeicherten Geheimdaten fürchten. Außerdem enthalten beide Editionen die "Windows Service for Unix", eine Art kompletter Unix-Betriebssystemumgebung und außerdem noch die Möglichkeit der freien Sprachauswahl, bspw. während des Einloggens. Microsoft erlaubt den Benutzern dieser Editionen auch ausdrücklich den Einsatz einer Lizenz in mehreren virtuellen Umgebungen.

Das Upgrade von Windows XP
Falls man sich zum Upgrade seines alten Windows XP Home oder XP Professional auf die entsprechende Vista-Version entschließt, sollte man sich zuerst auf der Microsoft-Homepage den "Vista Upgrade-Advisor" installieren. Er stellt fest, ob der derzeitige Rechner überhaupt für Vista geeignet ist und schlägt anhand des derzeit installieren Betriebsystems eine passende Upgradeversion von Windows Vista vor. Für derzeit mit XP Professional laufende Systeme wäre das z.B. die Business-, Enterprise oder Ultimate-Editionen, für XP-Home-Systeme die Home-Basic- oder Home-Premium-Edition.

Windows Vista 32bit oder 64bit?
Jede in Europa erscheinende Vista-Edition kann in einer 32bit- oder 64bit-Variante gekauft werden. Der große Unterschied zwischen beiden ist der benutzbare Hauptspeicher (RAM). Bei der 32bit-Edition ist er auf 4GB beschränkt, wofür aber für Programme nur maximal 2GB (bzw. 3GB nach einem kleinen Eingriff ins System) zur Verfügung stehen. Die 64bit-Varianten unterstützen je nach Edition 8, 16 oder 128GB RAM. Sie sind aber im Vergleich zu den 32bit-Varianten leider bzw. glücklicherweise etwas gehandicapt: Sie erlauben nur die Installation signierter 64bit-Treiber für die vorhandene Hardware, da sie das von Microsoft ausgerufene "Trustworthy Computing" vollständig umsetzen.

Daher funktioniert ein großer Teil der alten Hardware mit den schlecht zusammenprogrammierten Treibern gar nicht mehr unter Vista 64bit. Weiterhin kann man unter diesen Varianten auch keinerlei alte DOS-Programme ausführen. Viele Windowsprogramme, die noch mit 16bit-Installationsprogrammen versehen sind, verweigern zumindest die Installation, einige auch gleich ganz den Betrieb. Da die Programme, die für 64bit-Rechner geschrieben und compiliert wurden, etwas mehr RAM beanspruchen als bei 32bit, sollte man auf einen etwas besseren RAM-Ausbau Wert legen.

Muss man auf keinerlei Altlasten bei Hard- oder Software Rücksicht nehmen, kann man aber durchaus zur 64bit-Varianten greifen, sollte sich aber dann beim Kauf von neuer Hardware unbedingt versichern, dass es entsprechende signierte 64bit-Treiber gibt. Ebenso sollte man sich bei der zu kaufenden Software über die Vista 64bit-Kompatiblität informieren. Allerdings sind die Vorteile für die 64bit-Varianten nur für spezielle Einsatzzwecke relevant. Nur wenige private Anwender benutzen überhaupt Programme und Dienste, die 4GB und mehr erfordern, ebenso wird die höhere mögliche Geschwindigkeit durch die zusätzlichen Prozessorregister usw. auch nur bei wenigen Programmen überhaupt genutzt. Ein typisches Henne-Ei-Problem: Werden dem Anwender kaum Programme angeboten, die mit 64bit wesentlich schneller laufen, wird es auch kaum Anwender von Vista 64bit geben. Und die wenigen Anwender von Vista 64bit stellen derzeit auch nur einen kleinen Markt da, für den sich der Extraaufwand in der Entwicklung nicht zu lohnen scheint. Analog dazu gilt das auch für die Hardwareanbieter mit ihren Vista-Treibern.

Das Windows Vista Servicepack 1
Mit den alle paar Jahre erscheinenden Servicepacks stellt Microsoft einen größeren Download zusammen, um seine Betriebsysteme auf einfachem Wege von groben Fehlern sowie Sicherheitslücken zu bereinigen und um neue Hardware zu unterstützen. Im Fall von Vista erschien das Servicepack 1 am 4. Februar 2008, also rund ein Jahr nach der Erstvorstellung.
Das Ziel war die Verbesserung der Zuverlässigkeit, der Geschwindigkeit, der Verwaltung von Vista und der Anpassung an neue Hardware. Besonders die Geschwindigkeit der Kopieroperationen bei Dateien wurde beschleunigt, die Behandlung von ZIP-Dateien durch den Explorer verbessert, die Windowssuche wurde auch für andere Anbieter (Googles Desktop Search) geöffnet, die Zuverlässigkeit des Ruhezustands gesteigert, DirectX 10 auf 10.1 aktualisiert und viele neue Netzwerkfunktionen wie bspw. das neue WLAN-Protokoll 802.11n integriert. Aber auch der Betriebsystemkern ist aktualisiert worden - er trägt nunmehr die gleiche Versionsnummer wie das aktuell vorgestellte Windows 2008 Server-Betriebssystem, um spätere Updates zu vereinheitlichen.