Geschichte der IP-Telefonie



Wenn man die Geschichte der IP-Telefonie betrachtet, so beruft man sich dabei auf die Geschichte der traditionellen Telefonie sowie die Geschichte des Internets. Die traditionelle Telefonie blickt auf eine über 100jährige Geschichte zurück, wobei die Idee, Sprache mittels elektrischer Schwingungen zu übertragen Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden ist.

1861 entwickelte der Physiker Philip Reis ein Gerät zur Übertragung von Tönen durch elektromagnetische Wellen ( Telefonprinzip ), welches von Alexander Graham Bell ( 1847 - 1922 ) weiterentwickelt wurde. Dieser wiederum meldete 1876 ein Patent für ein erstes Telegraphensystem an. Ein Jahr später ( 1877 ) wurde die Bell Telephon Association gegründet, woraus 1885 die American Telephone and Telegraph Company ( AT&T ) hervor ging. Um diese Zeit wurden die Techniken immer weiterentwickelt und so z.B. durch Werner von Siemens die Sprachqualität verbessert. So gab es beispielsweise in Deutschland 1897 schon 529 Orte mit Telefonanlagen und über 140000 Sprechstellen. Die Verbindungen wurden über manuelle Vermittlungen mittels Hunderter von Angestellter realisiert. Bis 1915 wurde eine Verstärkungstechnologie entwickelt und somit die erste Transkontinentalverbindung ( New York - San Francisco ) möglich.

Nach dem ersten Weltkrieg verbreiteten sich automatisierte Vermittlungsanlagen und Selbstwahlsysteme, wobei gegen 1960 die digitale Übertragung zwischen den Telefonzentralen mittels PCM30-Technik eingeführt wurde. Mitte des 20. Jahrhunderts wurden zudem die ersten konventionellen Computersysteme gebaut und in Betrieb genommen. Hierbei stand von Anfang an der Wunsch der Vernetzung dieser Systeme. So plante im Jahre 1966 die Advanced Research Projets Agency ( ARPA ) die Vernetzung der Computerzentren des ganzen Landes. 1969 wurde aus diesem Plan Realität und es entstand das ARPANET, welches aus vier Knoten bestand. Die enorme Weiterentwicklung sollte 1980 die goldene Ära des Internets einleiten. 1982 implementierte ARPA das TCP/IP in deren APRANET und somit entstand die Kommunikation Transmission Control Protocol und Internet Protocol, welches die Grundlage für die IP-Telefonie darstellt. 1983 wurde das Name-Server Konzept entworfen und ein Jahr später eingeführt, wobei die erste registrierte Domain "symbolics.com" war.

Im Jahr 1986 wurde das Nation Science Foundation Network (NSFNET) gegründet, welches eine Backbone Geschwindigkeit von 56 kBit/s besaß. Dieses Netz verband vorwiegend Universitäten und dazugehörige Institutionen und wurde in den darauf folgenden Jahren ständig erweitert. 1988 wurde das Backbone auf T1 (1,544 Mb/s) erweitert und ein Jahr später wurde auch Deutschland an das NSFNET angeschlossen. Durch den Erfolg des NSFNET stieg auch die Zahl der Hosts im Internet stark an, so waren es im Jahr 1987 über 10.000 Hosts, zwei Jahre später immerhin schon über 100.000.

Mit der Zeit bekam die Idee der Sprachübertragung über das Internet immer größere Bedeutung. Die traditionelle Telefonie erlangte im Jahr 1995 einen weiteren großen Entwicklungssprung mit der Einführung des Integrated Services Digital Network ( ISDN ). Diese Technik ermöglichte eine konstante Bitrate von 64kBit/s. Im selben Jahr wurde zudem von der israelischen Firma VocalTec die Technik der IP-Telefonie auf den Markt gebracht. Diese arbeitete zu diesem Zeitpunkt noch halbduplex, d.h. die beiden Gesprächsteilnehmer können wie beim CB-Funk nicht gleichzeitig sprechen, sondern nur abwechselnd. Des Weiteren war diese erste Markteinführung nur auf den PC beschränkt. Seit diesem Zeitpunkt erfuhr die IP-Telefon Technik ständige Weiterentwicklung bis zum gegenwärtigen Stand.

2.1.3. Warum IP-Telefonie?