Warum IP-Telefonie?



Somit stellt sich nun natürlich die Frage - Warum sollte man IP-Telefonie einsetzen? Das Einsatzgebiet der IP-Telefonie hat sich mit der Zeit etwas verschoben, denn in den Anfängen galt das Hauptaugenmerk der Internet-Telefonie. Unternehmen setzen auf diese Technologie um deren Telefonkosten zu reduzieren. Aber mit der Zeit wurde die Technologie für die netzinterne Kommunikation der Unternehmen immer lukrativer. Dies hatte zur Folge, dass für die Kommunikation nicht mehr zwei getrennte Netzwerke ( für Telefonie und Datenverkehr ), sondern nur noch ein Kommunikationsnetzwerk benötigt wurde. Bei IP-Telefonie handelt es sich um eine noch sehr "junge" Technologie, welche aber schon jetzt eine Vielzahl an Vorteilen ( integrierte Lösungen mit neuen Applikationen à über Telefon TAPI / CAPI Funktionen hinaus ) mit sich bringt und deshalb immer größeren Anklang findet.

Einige dieser Vorteile der IP-Telefonie sind:

- Einfache und kostengünstige Administration, Implementierung, Betriebsführung
Mit der Integration der Sprache in das Datennetzwerk entfallen sämtliche Aufwendungen des früheren Sprachnetzwerkes ( aufwendige Vermittlungs- technik oder eine eigene Kabelverteilung werden nicht mehr benötigt ). Für die Kommunikation können handelsübliche PCs oder Produkte verschiedener Hersteller ( Gateways, IP-Telefone, Soft-Phones ) eingesetzt werden. Es können hierbei auch Produkte verschiedener Hersteller kombiniert werden, da die führenden Hersteller bei deren Entwicklung auf internationale Standards ( z.B. ITU-T H.323 ) setzen. Aus diesem Grund entfällt auch spezielles Produkt-Know-how für die Administration + Betrieb der traditionellen TK-Anlage und somit werden kostenintensive Wartungsverträge überflüssig. Des Weiteren ist die Installation und Konfiguration ( Administration ) des Telefonie-Servers dahingehend einfach gestaltet, da es sich um ein gewöhnliches Setup einer Standardsoftware handelt. Zudem ist die Anbindung der Clients mittels Soft-Phone oder Tischgerät einfach realisierbar. Jedoch treten auch Probleme auf, denn die VoIP-Lösung verfügt über keine Notrufefunktion ( wie beim TK-Anlage ) und die Notstromversorgung kann bei der traditionellen TK-Anlage länger als bei VoIP-Anlagen ( durch USV ) bereit stellen.

- Kombination von Sprach- und Dateninformationen
Eine einheitliche Kommunikationsstruktur ermöglicht eine sinnvolle Verknüpfung aller Geschäftsanwendungen und damit aller Informationen aus der Sprach- und Datenwelt. Ein Beispiel hierfür ist, dass sich ein Kunde auf einer Web-Seite eines Unternehmens mit dessen persönlichen Daten ( mittels Online-Formular ) registriert. Wenn dieser Kunde zu einem späteren Zeitpunkt in diesem Unternehmen anruft, erkennt das System die Nummer und weist dieser die persönlichen Daten zu und gibt diese z.B. als Pop Up dem Call Center Agenten auf dem Bildschirm aus. Dies kann auch in der traditionellen Telefonie ( mittels TAPI ) realisiert werden, nur stehen bei Weitem nicht so viele Funktionen und Möglichkeiten wie bei der VoIP-Lösung zur Verfügung.

- Freie Skalierbarkeit
Diese erfolgt wegen wachsender Benutzerzahlen, Aufrüstung einer traditionellen TK-Anlage, mittels nachträglicher Installation von Amts- oder Teilnehmergruppen ( zusätzliche Steckkomponenten ggf. Erweiterung der Racks). Sind jedoch alle möglichen Einsteckplätze belegt, so können keine weiteren Teilnehmer angeschlossen werden oder der Kauf einer neuen TK-Anlage wird erforderlich. Bei der IP-Telefonie geht man in der Praxis von einer Teilnehmerzahl von 100-300 Teilnehmern pro Telefonie-Server ( im Privatbereich à öffentlich weit aus mehr ) aus. Hierbei ergibt sich aber der Vorteil, dass man nicht an einen Telefonie-Server gebunden ist, sondern beliebig viele Server parallel betreiben kann, um somit die gewünschte Teilnehmerzahl abzudecken. Bei einer software-basierenden Anlage ist lediglich der Erwerb einer zusätzlichen Lizenz ( pro Teilnehmer ) von Nöten, um den neuen Client über Telefonie-Server betreiben zu können. Somit wächst die software-basierende IP-Telefonie Lösung mit dem Unternehmen einfach mit.

- Zukunftsfähigkeit Die heutigen traditionellen TK-Anlagen sind meist an 10 Jahres-Verträge geknüpft und werden nach 10 Jahren ausgetauscht. Dies ist jedoch heutzutage nicht mehr zeitgemäß, denn die Entwicklung neuer Technologien ist so schnelllebig , so dass 10 Jahre eine Ewigkeit sind. Da man an diese Verträge gebunden ist, kann man oft diese neuen Technologien wegen der "alten" TK-Anlage überhaupt nicht nutzen ( hierfür besteht nur die Möglichkeit der Anschaffung kostenintensiver Zusatzbauteile für die TK-Anlage ). Bei softwarebasierenden Telefontechnologien erfolgt die Einführung und die Nutzung neuer Technologien einfach per Technologie-Update. Somit werden keine neuen Baugruppen benötigt und die neuen Technologien können nach Aktualität implementiert werden.

- Gesprächskostenersparnis Aus Sicht der Unternehmen handelt es sich hierbei um einen der wichtigsten Punkte, denn die Einsparungsmöglichkeit kann enorm sein. Bei Telefongesprächen im unternehmensinternen Netzwerk ( LAN, WAN ) entfallen die Telefonkosten bei IP-Telefonie ganz, denn für die Übertragung wird das eigene Netzwerk genutzt. Bei unternehmensexternen Telefongesprächen bietet eine unternehmenseinheitliche Telefonie-Infrastruktur die Möglichkeit, die Telefongebühren über Standorte und Länder hinweg per Last Cost Routing zu optimieren. Dies bedeutet, dass ein Mitarbeiter aus Bremen mit einen unternehmensexternen Gesprächspartner aus Stuttgart telefoniert. Da sich eine Zweigstelle des Unternehmens in Stuttgart befindet, wählt sich der Mitarbeiter per IP-Telefonie in das Netzwerk in Stuttgart ein und von dort aus zum Gesprächspartner ( VPN-Prinzip ). Dies hat den Vorteil, dass somit nur Gebühren für ein Ortsgespräch anfallen ( Prinzip der Internet-Telefonie à nur Tarife für Ortsgespräche ). Zudem können Gesprächskosten zwischen Unternehmen und Partner-Unternehmen und Lieferanten eingespart werden. Hierfür wird die IP-Telefonie und Kommunikation mittels eines Extranets ( Virtual Private Network ) realisiert.

IP-Telefonie hat aber nicht nur Vorteile. So ist z.B. die Tonqualität von der Systemkonfiguration sowie der momentanen Netzwerkbelastung, aber auch durch den Endnutzer festgelegte Faktoren wie Rechnerleistung, Soundkarte und Software, abhängig. In Lokalen Netzwerken ( LAN ) soll die Übertragungsqualität mittels der QoS-Parameter sichergestellt werden. Wenn jedoch für die Übertragung das Internet genutzt wird ( Internet-Telefonie ), sind die QoS-Parameter nicht verfügbar. In Anbetracht der ständigen Weiterentwicklung von IP-basierten Techniken und Endgeräten ist von einer kontinuierlichen Anhebung der Übertragungsqualität auszugehen. Die Sprachqualität, welche im Punkt 4. "Sprachqualität" ausführlicher dargestellt wird, kann zum jetzigen Zeitpunkt als akzeptabel bis hin zu ISDN-Qualität angesehen werden. Ein weiteres Problem stellt der IP-Adressenbedarf dar, denn jedes IP-Telefonie-Endgerät benötigt seine eigene IP-Adresse. Somit stößt IPv4 an seine Grenzen und es wird eine Umstellung der Systeme auf IPv6 benötigt.

2.2.1. Traditionelle Telefonie ( eines Unternehmens )