ITU-T H.323 Übertragung und Kommunikationsablauf



In diesem Punkt soll der Kommunikationsablauf betrachtet werden, welcher in diesem Fall einen Gatekeeper für die Kommunikation beinhaltet. Für die Übertragung von Sprache, Video und Daten werden ungesicherte Kanäle benutzt. Sicherungsalgorithmen werden nur für die ITU-T H.245-Kontroll- und Sicherungskanäle verwendet, da diese Informationen für eine erfolgreiche Kommunikation nicht verloren gehen dürfen und in der richtigen Reihenfolge beim Empfänger eintreffen müssen. Aus diesem Grund wird hierfür das verbindungsorientierte TCP eingesetzt, welches auch eine Flusskontrolle beinhaltet. Da die Sprach- und Videodaten schnellstmöglich am Ziel ankommen sollen, werden diese mittels des verbindungslosen UDP übertragen. Mit der Voice Activity Detection ( VAD ) wird ermittelt, wann Sprachsignale übertragen werden und wann nicht. Um die Netzlast gering zu halten, wird in den Gesprächspausen keine Daten übertragen, d.h. es gibt nur eine akustische Wahrnehmung der Gesprächspartner im Moment der direkten Kommunikation ( Sprache ) und somit werden in Gesprächspausen keine Hintergrundgeräusche wie bei traditioneller Telefonie übertragen ( Einsatz von Confort Noise ). Der Verbindungsauf- und abbau wird als Call Signaling bezeichnet und stellt die Grundstruktur der Kommunikation in ITU-T H.323 dar.

Zuerst wird von einem Terminal ( Endpoint 1 ), welcher eine Verbindung aufbauen will, die Erlaubnis beim Gatekeeper über einen RAS-Kanal angefordert ( Admisson Request ). Der Gatekeeper hat nun die Möglichkeiten diese Anforderung abzulehnen ( Admission Reject ) oder wie in diesem Fall anzunehmen ( Admisson Confirm ). Wenn die Erlaubnis erteilt wurde, sendet der Terminal 1 einen Setupbefehl über ITU-T Q.931 an den anzuwählenden Terminal 2 und somit wird der Verbindungswunsch übermittelt. Nimmt die Gegenseite ( Terminal 2 ) den Verbindungswunsch ( Call ) an, so sendet diese über das gleiche Protokoll die Mitteilung, dass die Verbindung angenommen ist und keine weiteren Verbindungsversuche angenommen werden ( Call Proceeding ). Zu diesem Zeitpunkt fordert der Terminal 2 ebenfalls eine Erlaubnis für die Verbindung beim Gatekeeper an. Wurde diese vom Gatekepper angenommen, sendet der Terminal 2 ein Connecting Signal ( Alerting Connecting ) mittels ITU-T Q.931 zum Terminal 1 und die Verbindung kommt zustande. Bevor die eigentlichen Daten übertragen werden, tauschen die Terminals noch Informationen für die Kommunikation aus. Zunächst werden die Befehle Terminal Capability Set und Master/Slave Determination vom Terminal 1 zum Terminal 2 übermittelt. Durch diese Befehle wird übermittelt, inwieweit die Terminals in der Lage sind, Multimediadaten zu senden und zu empfangen, und wie diese Einzuordnen sind, d.h. welcher Terminal eine übergeordnete Rolle für die Kommunikation spielt. Diese Befehlsanforderungen können vom Terminal 2 abgelehnt oder angenommen werden. Erfolgt die Annahme dieser Anforderungen, sendet der Terminal 2 ein Acknowledge-Signal ( ACK ) an Terminal 1, welches von diesem nochmals bestätigt wird ( ACK ). Danach sendet der Terminal 1 den Befehl, um einen logischen Kanal zu öffnen ( Open Logical Channel ), über welchen die Daten für die Kommunikation übertragen werden. Vom Terminal 2 wird für die Bestätigung dieses Befehls erneut ein Acknowledge-Signal ( ACK ) gesendet, welches wiederum vom Terminal 1 bestätigt wird. Von diesem Zeitpunkt an werden die Multimediadaten mittels Real Time Protocol ( RTP ) übermittelt. Für die Beendung der Kommunikation übermittelt der Terminal 1 zum Einen den Befehl zum Schließen des logischen Kanals ( Close Logical Channel ), zum Anderen den Befehl zum Schließen der momentanen Sitzung ( End Session Command ), was vom Terminal 2 bestätigt wird ( ACK ). Vom Terminal 1 erfolgt somit die Meldung Release Complete, welches die Freigabe des logischen Kanals bewirkt. Mittels des RSA-Kanals melden sich daraufhin die beiden Terminals beim Gatekeeper ab ( Disengage Request ).

Die Parameter eines Calls, welche Bandbreite, Teilnehmerzahl bei Konferenzen sind, können während einer Verbindung mittels der Call Services geändert werden. Zudem stellt der Gatekeeper im Verbindungsverlauf periodische Statusanfragen an die beteiligten Terminals, womit so die Terminals überprüft werden. ITU-T H.323 wird von den meisten Herstellern als das Protokoll angesehen, dass sich zukünftig durchsetzen wird.

3.1. Praktische Realisierung am Beispiel eines mittelständischen Unternehmen - Überblick