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Cloudspeicher – Dropbox und co

Als Speichermedium eignet sich die Datenwolke auf den ersten Blick hervorragend. Die Speicherkapazitäten sind schier unbegrenzt – wenngleich ab einem gewissen Volumen nicht mehr kostenlos. Dazu sind die Daten im Internet für den Anwender verfügbar, so dass von jedem Rechner mit der entsprechenden Berechtigung darauf zugegriffen werden kann. Apps für Smartphones und Tablets sorgen für den Wohlfühlfaktor: Texte, Fotos, Videos sind von überall auch auf dem Mobiltelefon verfügbar, USB-Sticks haben ausgedient. Selbst eine kompletter Festplattenverlust am heimischen PC stört den Cloudspeicher nicht, die Daten sind schließlich immer noch per Internet abrufbar. Auf den ersten Blick die perfekte Anwendung für Cloud-Dienste. Einige Nachteile zeigen sich bei näherer Betrachtung jedoch trotzdem.

So sind die eigenen Daten bei einem fremden Unternehmen, zumeist sogar in den USA, gespeichert – wer weiß schon, was die Mitarbeiter dort mit den Daten anstellen? Zwar versichern die Anbieter die Vertraulichkeit der Daten, wer auf Nummer sicher gehen will, sollte seinen Cloudordner allerdings besser verschlüsselt speichern. In den USA beherbergte Cloud-Festplatten haben zudem einen weiteren Nachteil: Die US-Amerikanischen Behörden, spätestens seit den Anschlägen von „9/11“ latent paranoid, nehmen sich das Recht heraus, bei Bedarf alle auch ausländischen Daten bei in den USA gespeicherten Diensten einzusehen und auszuwerten. Auch hier hilft aber die Verschlüsselung der in der Cloud gespeicherten Daten – oder die Nutzung inländischer Dienste.

Der wohl bekannteste Cloud-Service dürfte immer noch Dropbox sein. Das Unternehmen bietet bereits seit 2007 Online-Speicherplatz für seine Nutzer an. Nach der Installation des für Windows, Linux, MacOS, iOS, Android und Blackberry verfügbaren Dropbox-Clients wird zumindest auf Desktop-Systemen ein Ordner erstellt. Dieser kann genutzt werden wie alle anderen Ordner auf der Festplatte auch – mit dem Unterschied allerdings, dass alle dort gespeicherten Dateien bei bestehender Internetverbindung auf die Server des Anbieters übertragen werden. Der Client lässt sich auf mehreren Rechnern simultan installieren, die Dateien sind dann auf allen derart bestückten Rechnern und Mobilgeräten verfügbar. Werden von einem Rechner neue Dateien hinzugefügt, landen diese so schnell wie möglich auch auf der Festplatte der anderen Rechner, die auf das betreffende Nutzerkonto eingeloggt sind. Praktisch: Per Web-Oberfläche sind auch frühere Versionen der hochgeladenen Dateien verfügbar, löscht der Nutzer also versehentlich eine Datei, lässt sie sich über die Dropbox-Seite innerhalb eines Monats wieder rekonstruieren.

Cloudspeicher

Cloudspeicher @iStockphoto/TommL

Per LAN Sync werden Dateien im heimischen Netzwerk nicht über den langsamen Umweg „Internet“ synchronisiert sondern bevorzugt über die bestehende Netzwerkverbindung. Einzelne Ordner lassen sich zudem für andere Nutzer freigeben, was sehr praktisch ist, um gemeinsam an Inhalten zu arbeiten – inzwischen nutzen einige Arbeitgeber diese flexible Möglichkeit des Datei-Tausches aus, das Versenden per eMail hat ausgedient. Werden in den Ordner „Photos“ Bilder gespeichert, bereitet Dropbox diese zudem als Webgalerie auf. Mittels einer öffentlichen Webadresse können diese Galerien dann auch Dropbox-abstinenten Nutzern zugänglich gemacht werden.

Bei der Anmeldung gibt es 2 Gigabyte Speicher gratis für jeden Nutzer. Diese Speichermenge kann erhöht werden – beispielsweise durch das Einladen von Freunden. Jeder geworbene Kunde bringt weitere 500 Megabyte auf das eigene Konto – der Freund bekommt zudem die gleiche Speichermenge gutgeschrieben. Wer Dropbox bei Twitter folgt, bekommt 125 Megabyte Speicher geschenkt. So lassen sich mit wenig Mühe einige Gigabyte zusätzlich kostenlos hinzufügen. Für größere Datenmengen muss allerdings ein kostenpflichtiger Zugang her: 100 Gigabyte gibt es für monatlich 9,99 US-Dollar (99 US-Dollar im Jahr), 200 Gigabyte kosten 19,99 US-Dollar monatlich (199 US-Dollar bei Abschluss eines Jahresabos) und 500 Gigabyte schlagen mit monatlich 49,99 US-Dollar (499 US-Dollar im Jahr) zu Buche. Unternehmen könnten die Option „Dropbox für Teams“ mit 1000 und mehr Gigabyte buchen.

Die Daten liegen im Falle von Dropbox auf Amazons S3-Servern. Diese gelten als sicher und zuverlässig – von den umfangreichen Zugriffsmöglichkeiten der Homeland-Security in den USA einmal abgesehen. Durch die Nutzung der flotten Amazon-Server liegt die Geschwindigkeit von Dropbox auf hohem Niveau und die Daten können als sicher gespeichert betrachtet werden.

Allerdings bietet Amazon die S3-Dienste auch direkt an, was für private Anwender aber weniger sinnvoll zu nutzen ist. So fehlen die umfangreichen Verknüpfungen mit Mobilgeräten per App und ein Gratis-Datenkontingent bietet Amazon ebenfalls nicht. Dropbox finanziert sich mit den teureren Bezahl-Angeboten und kann es sich so offenbar erlauben, bis zu 96% seiner Nutzer kostenlos speichern zu lassen.

Mit Google Drive ist allerdings eine mächtige Alternative zur Dropbox entstanden. Google gilt zwar als Nachzügler unter den Cloud-Speicherdiensten, verknüpft seine Angebote aber entsprechend vorbildlich mit den eigenen Diensten Google+, Picasa, Android und Gmail. 5 Gigabyte Speicherplatz gibt es gratis bei der Anmeldung, 25 Gigabyte kosten 2,50 Dollar im Monat, 100 Gigabyte überschaubare 5 Dollar. Da Google den Dienst mit Google Docs verknüpft, können auch so erstellte Dokumente bequem synchronisiert werden – und, immerhin handelt es sich bei Google um einen Suchmaschinenbetreiber – die Daten lassen sich komplett durchsuchen.

Neben den für professionelleren Kunden vorgesehenen S3-Angeboten hat Amazon mit dem Cloud Drive auch einen klassischen Onlinespeicher im Angebot. Auch hier gibt es die mittlerweile üblichen 5 Gigabyte gratis, 20 Gigabyte kosten 20 Dollar im Jahr. Amazon konzentriert sich auf die Verknüpfung mit dem eigenen Musikangebot – bei Amazon gekaufte MP3-Musik lässt sich auf Wunsch automatisch in die Cloud laden und ist fortan von jedem eingeloggten Rechner verfügbar. Mit Freunden lassen sich die Dateien aus urheberrechtlichen Gründen allerdings nicht und auch die App-Unterstützung ist bei weitem nicht so gut ausgebaut wie beim Marktführer Dropbox.

Mit Windows 8 arbeitet Microsoft stärker an der Integration des hauseigenen Cloud-Speicherdienstes Skydrive in das Betriebssystem. So folgt der Dienst dem Metro-Look des neuen Betriebssystems und bietet den Zugriff auf eine virtuelle Festplatte – als wären die Daten auf dem eigenen Rechner gespeichert, begrenzt nur durch die Internetgeschwindigkeit. Der Zugriff erfolgt entweder per Webbrowser – bevorzugt selbstverständlich per Internet Explorer, allerdings werden auch Safari und Firefox unterstützt – oder in direkter Einbindung via Betriebssystem, Windows 8 nannten wir in diesem Zusammenhang ja bereits. Microsoft bietet 7 Gigabyte kostenlosen Speicherplatz, für kurze Zeit waren es 25 Gigabyte bei Neuanmeldung. Einzelne Dateien dürften allerdings maximal 2 Gigabyte groß sein, was angesichts der Upload-Beschränkungen klassischer Internetzugänge allerdings auch eine schon sehr umfangreiche Dateigröße ist. Wie Dropbox bietet auch Microsoft einen Client, der einen Ordner auf dem heimischen PC anlegt – auch hier wird der Inhalt des Ordners mit der Datenwolke synchronisiert. Neben den Apps für den PC und für Mac OS gibt es auch Anwendungen für Android, iOS und selbstverständlich für Windows Phone. Im Gegensatz zu einigen anderen Diensten wie Dropbox verschlüsselt Microsoft den Dateiverkehr per SSH.

Alle bislang genannten Dienste speichern ihre Daten im Ausland, bevorzugt in den USA. Damit schließt sich die Nutzung der Clouddienste für Kundendaten von Freiberuflern und anderen Selbständigen allerdings aus, deutsche Gesetze verbieten das Auslagern sensibler Kundendaten auf ausländische Server! Eine sichere und zuverlässige Alternative stellt in diesem Fall Strato zur Verfügung. Der Onlinespeicher HiDrive wird auf Servern in Deutschland gehostet, zertifiziert durch den TÜV nach ISO 27001. Dateien werden prinzipiell verschlüsselt hochgeladen und gespeichert. Und auch mobile Apps bietet Strato an – für Android, iOS und Windows Phone 7 sind kostenlose Apps verfügbar. Zwar ist die Verknüpfung mit anderen Mobil-Apps bei Dropbox besser als bei Strato, die zusätzliche Datensicherheit kann den deutschen Dienst allerdings an die Spitze der Cloudspeicherdienste befördern. Die mit 14,90 Euro monatlich teuerste Lösung von Strato, HiDrive Media 500, bietet sich mit 500 Gigabyte Speicherkapazität auch als Backuplösung und für Unternehmen an: Optional lassen sich die Daten auf DVD gebrannt zu Strato einsenden um dort direkt auf den Server gespielt zu werden, der lästige und zeitraubende Upload über das Internet entfällt. Ebenfalls optional und gegen Zusatzgebühr lassen sich die Daten auch auf einer Festplatte einsenden.

Auch unter den Begriff Cloud fallen übrigens Anbieter wie Steam oder Microsofts Live-Service. Bei Steam beispielsweise lassen sich neben Spielen für PC und Mac (in Zukunft auch Linux) auch Anwendungsprogramme digital erwerben oder im stationären Handel gekaufte per Produktkey freischalten. Die bei Steam registrierten Programme lassen sich im Anschluss bequem über den Service herunterladen und sind zumindest bei aktiver Internetverbindung immer verfügbar, auch wenn die Installations-Datenträger nicht mehr auffindbar sind. Dabei agiert Steam auch als DRM, als Digital Rights Management, übernimmt also die Funktion eines Kopierschutzes. Per Offline-Modus lassen sich viele Steam-Anwendungen aber auch bei nicht aktiver Internetverbindung nutzen. Einige der in Steam verfügbaren Spiele nutzen zudem die Cloud zum Speichern von Spielständen. So lassen sich Spielfortschritte auch auf anderen Rechnern ohne das umständliche Kopieren der Savegames aufrufen.

Autor: Dennis Ziesecke

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