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Iran verkündet Todesurteile für mehrere Programmierer

Vier Programmierer und Webaktivisten wurden im Iran zum Tode verurteilt. Einem Spieleprogrammierer wird vorgeworfen, gegen den Iran zu hetzen, ein Webprogrammierer soll private Webcams ferngesteuert haben.

Der iranische Webprogrammierer Saeed Malekpour wurde im Iran zum Tode verurteilt, weil von ihm geschriebener Programmcode auf einer pornografischen Webseite genutzt wurde. Die Anklage lautete auf „Beleidigung und Entweihung des Islam“ – Amnesty International hingegen fordert die Freilassung des Inhaftierten. Seine Software sei von dritten ohne sein Wissen genutzt worden.

Bereits im Oktober 2008 wurde der in Kanada lebende Malekpour verhaftet, als er im Iran lebende Verwandte besuchen wollte. Das Todesurteil stützt sich auf sein Geständnis, Verbindungen zu einer Pornowebseite gehabt zu haben. Dieses Geständnis wurde laut Malekpour allerdings unter Folter und mit falschen Versprechungen erzwungen worden. So schrieb er in einem Brief aus dem März 2010: „Sie sagten mir, dass ich wahrheitswidrig den Kauf von Software aus Großbritannien zugeben sollte, die ich dann auf meiner Website zum Verkauf angeboten hätte. Ich wurde gezwungen, hinzuzufügen, dass bei jedem Besucher meiner Website die Software unbemerkt installiert wurde, um die Kontrolle über die Webcams zu übernehmen, auch wenn sie ausgeschaltet waren“.

Iran verkündet Todesurteile für mehrere Programmierer

Iran verkündet Todesurteile für mehrere Programmierer ©iStockphoto/Anton_Sokolov

Amnesty International protestiert gegen das Urteil. AIs Sprecherin Ann Harrison sagte dazu: „Mit der Bestätigung des Todesurteils für Saeed Malekpour, das nach einem unfairen Gerichtsverfahren ausgesprochen wurde, senden die iranischen Behörden eine Botschaft an die Iraner, nicht frei ihre Meinung zu äußern und anderen nicht dabei zu helfen, dies zu tun, auch nicht über das Internet“.

Mit Amir Mirza Hekmati wurde in den letzten Wochen noch ein weiterer Programmierer im Iran zum Tode verurteilt. Der US-Amerikaner wurde ebenfalls bei einem Verwandschaftsbesuch im Iran verhaftet. Ihm wird vorgeworfen, als Programmierer an einem Kriegsspiel mitgewirkt zu haben, in dem es unter anderem um einen Einmarsch westlicher Truppen in den Iran geht. Auch soll er vom CIA als Agent ausgebildet worden sein und für die USA Spionage im Iran betrieben haben. Auch Hekmati hat die Anschuldigungen öffentlich eingestanden, auch hier wird vermutet, dass das Geständnis unter Folter entstanden ist.

Gute Chancen auf eine Freilassung haben die Inhaftierten nicht. Im Jahr 2012 wurden im Iran bereits 31 Todesurteile offiziell vollstreckt, die Regierung lobt die abschreckende Wirkung der Hinrichtungen auf potentielle Kritiker. Laut Amnesty International sollen es sogar insgesamt 53 vollstreckte Todesurteile alleine in den ersten Wochen diesen Jahres gewesen sein.

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