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LTE – vollwertiger Mobilfunkstandard?

Immer wieder wird LTE als 4G, also vierte Mobilfunkgeneration, bezeichnet. Das stimmt allerdings nicht so ganz, genau genommen handelt es sich eher um 3,9G – einige kleinere Funktionen fehlen LTE noch für die Weihen der vierten Generation. Mit LTE Advanced steht allerdings bereits das echte 4G vor der Tür, hier sollen zudem Geschwindigkeiten von bis zu 1000 Megabit pro Funknetzzelle realisierbar sein.

So richtig vollwertig ist LTE aber auch aus einem anderen Grunde nicht. Es handelt sich bei LTE um einen reinen Datendienst auf IP-Basis, eine Telefoniefunktion ist dabei nicht vorgesehen. Smartphones mit LTE-Funkchip müssen daher auch immer noch einen GRPS/UMTS-Chip enthalten, auf den für Telefonate umgeschaltet wird. Dabei kann es aber schnell geschehen, dass die LTE-Datenverbindung getrennt wird – der eventuell gerade stattfindende Download wäre damit abgebrochen. Zudem sind LTE-Smartphones durch die Chip-Doppelbestückung dicker und klobiger als ihre 3G-Verwandten – zudem kosten zwei Chips auch mehr Geld als nur einer, weshalb entsprechende Modelle teurer sind als UMTS-Modelle. Bei aktuellen LTE-Verbindungen fällt die erreichbare Datenrate bei den meisten Anbietern mit 7,2 Megabit pro Sekunde eh recht überschaubar aus, so dass der Datenturbo nur indirekt zu spüren ist. Indirekt deshalb, weil zwar keine höheren Downloadgeschwindigkeiten zu verbuchen sind, Internetseiten durch die geringere Latenz aber dennoch schneller geladen werden als via UMTS. Die Latenz bezeichnet dabei die Verzögerung, mit der angeforderte Daten auf dem Endgerät ankommen – je geringer, desto verzögerungsfreier ist die Übertragung. Wichtig sind niedrige Latenzen vor allem für Echtzeitkommunikation wie Voice over IP oder Videotelefonie (Skype und vergleichbare Programme) sowie für Online-Computerspiele. Aber auch der Aufbau von Internetseiten fühlt sich mit geringer Latenz flüssiger an, ein Problem der UMTS-Verbindungen mit ihren hohen Latenzen.

LTE – vollwertiger Mobilfunkstandard?

LTE – vollwertiger Mobilfunkstandard? ©iStockphoto/StockPhotoAstur

Soll LTE auch zur Telefonie genutzt werden, bleibt dem Nutzer und dem Provider nur die Möglichkeit via Voice over IP. Bei LTE-Festanschlüssen für die Wohnung beispielsweise agiert ein mitgelieferter Router als Wandler, an den sich herkömmliche Telefone anschließen lassen. Der LTE-Zugang baut dann jede Sprachverbindung per VoIP auf, was klanglich mittlerweile ohne Nachteile gegenüber einer klassischen Festnetzverbindung funktioniert. Erfahrungen haben die Anbieter eh ausreichend – die überwiegende Mehrzahl der in Deutschland mit Telefonie-Flatrate angebotenen Festnetz-Anschlüsse arbeitet wie auch LTE auf IP-Basis mit Voice over IP, oft ohne dass der jeweilige Kunde überhaupt etwas davon weiß.

Die VoiP-Umleitung hat allerdings Nachteile für den Einsatz im Mobiltelefon. Hier muss mit schwankenden Übertragungsraten gerechnet werden, zudem wird sich der Besitzer des LTE-Telefons nicht immer zwingend in einer mit LTE versorgten Umgebung aufhalten – im Gegensatz zu Festanschlüssen, die nur in ausgebauten Gebieten geschaltet werden. Bei zu schlechter Netzqualität wäre die Sprachqualität per VoIP nicht akzeptabel, bei reinem UMTS-Versand würden die hohen Latenzen stören und in Umgebungen ohne Breitband-Mobilfunk wäre eine Sprachkommunikation generell so gut wie unmöglich. So müssen die Provider umdenken und tatsächlich vollwertige GPRS/UMTS-Chips und die dazugehörigen Antennen in ihre Mobiltelefone verbauen. Selbst die Entwicklung eines UMTS/LTE-Kombichips würde hier nur bedingt Abhilfe schaffen, da die unterschiedlichen Funkfrequenzen dennoch unterschiedliche Antennen nötig machen würden.

Autor: Dennis Ziesecke

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