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Legende und Wahrheit – Risiko SSD?

Immer wieder wird vor SSDs gewarnt – die Technik sei noch zu jung, zu wenig erprobt und zu gefährlich für die täglichen Daten oder das Betriebssystem. Tatsächlich sind einige der Warnungen durchaus berechtigt, andere hingegen basieren auf falschem Technikverständnis oder veraltetem Wissen. Zeit für ein wenig Aufklärung:

1. SSDs haben nur eine sehr begrenzte Haltbarkeit

Speichermedien wie Festplatten und auch SSDs sind nicht für die Ewigkeit geschaffen, das stimmt. Bei SSDs kommt allerdings hinzu, dass in den Datenblättern vieler Laufwerke bedrohlich niedrig wirkende Angaben zur Lebensdauer der einzelnen Flash-Speicherzellen zu lesen sind. Tatsächlich sind die aktuell in fast allen Laufwerken zu findenden MLC-Flashspeicher nur für bis zu 3000 Schreibvorgänge ausgelegt. 3000 Schreibvorgänge – das klingt, als wenn das Laufwerk schon nach wenigen Wochen nicht mehr zu gebrauchen ist. Allerdings muss hier differenziert werden. Zum einen wird von einer SSD im Normalfall deutlich mehr gelesen als darauf geschrieben (vor allem, wenn das Laufwerk für das Betriebssystem vorgesehen ist), zum anderen geht es hier um die maximalen Schreibvorgänge pro Speicherzelle, nicht pro Speichermodul. Es ist also nicht so, dass das gesamte Laufwerk nach 3000 Schreibvorgängen nicht mehr funktioniert. In einem Flashmodul, von dem immer mehrere in einer SSD arbeiten, sind unzählige Speicherzellen vorhanden. Der SSD-Controllerchip ist nun dafür verantwortlich, die Schreibvorgänge so zu verteilen, dass immer möglichst viele und unterschiedliche Speicherzellen angesprochen werden. Zudem ist bei den meisten SSDs ein Pufferspeicher für den Ausfall einiger Speicherzellen vorgesehen. Dabei sind oft mehrere Gigabyte reserviert und können vom Nutzer auch nicht für andere Zwecke genutzt werden. Einzelne Speicherzellen werden also nur vergleichsweise selten beschrieben, so dass sich die 3000 maximalen Schreibvorgänge stark relativieren. Im Normalfall geben die Hersteller an, dass sich SSDs über fünf Jahre lang täglich mit 20 Gigabyte an Daten beschreiben lassen ohne Ausfallerscheinungen zu zeigen. Da in Modellen mit höherer Kapazität mehr Speichermodule verbaut sind, erhöht sich die maximale Speichermenge hier sogar auf 30 Gigabyte pro Tag. In einem lang angelegten Test der Fachzeitschrift c’t wurden die Laufwerke noch öfter und mit größeren Datenmengen beschrieben, so dass die Redakteure des Magazins in diesem Punkt Entwarnung geben können – zumal im Alltag deutlich weniger als 20 Gigabyte am Tag geschrieben werden. Das gilt übrigens nur für Schreibvorgänge, bei Lesevorgängen „nutzt“ sich das Laufwerk nicht ab. Und selbst wenn eine Speicherzelle nicht mehr beschrieben werden kann, lassen sich die Daten weiterhin auslesen.

SSD versus HDD

SSD versus HDD ©iStockphoto/ludinko

2. Laut Benchmarks bringen SSDs keine Vorteile

Tatsächlich sind die Vorteile einer SSD nicht immer messbar. Werden beispielsweise Computerspiele auf der SSD gespeichert, kann es vorkommen, dass die Spiele nicht oder nur wenig schneller starten als von Festplatte. Und auch beim Start eines Betriebssystems können andere Faktoren den Rechner ausbremsen. Generell gilt aber, dass eine SSD, vor allem als Laufwerk für Betriebssystem und oft genutzte Anwendungen, nicht nur den Systemstart und den Start von darauf gespeicherten Anwendungen spürbar beschleunigt, sondern auch für eine flotteres Arbeitsgefühl mit dem Rechner sorgt. Ebenfalls zügig geht das Aufwachen aus dem Ruhezustand, da hier der RAM-Inhalt vom Laufwerk gelesen werden muss.

3. SSDs sind zu teuer und bieten zu wenig Platz

Teuer sind Solid State Disks auf jeden Fall, vor allem im Vergleich mit Festplatten. Im Vergleich kostet eine SSD pro Gigabyte Speicherkapazität bei preiswerten Modellen mindestens einen Euro, während eine Festplatte pro Gigabyte mit nur etwa 5 Cent zu Buche schlägt. Zudem bieten Festplatten tatsächlich deutlich größere Kapazitäten von bis zu vier Terabyte während SSDs für den Privatgebrauch nur selten mehr als ein Terabyte fassen – und dann den Gegenwert eines Kleinwagens kosten. Daher ist es sinnvoll, eine kleinere SSD für das Betriebssystem zu erwerben und zusätzlich auf die Kapazität einer klassischen Festplatte zu setzen. Der Umgang mit der Foto-, Film- und Musiksammlung wird durch eine SSD kaum beschleunigt, der Umgang mit dem Betriebssystem jedoch stark – hier reichen aber Laufwerke mit 64 bis 128 Gigabyte Kapazität. Neue Laufwerksmodelle mit preiswerterem Speicher, verbesserte Fertigungsprozesse bei den Speicherherstellern und der durch die größere Nachfrage generell sinkende Preis der Speicher sorgen aber dafür, dass SSDs mit der Zeit immer preiswerter werden und schnell zum PC-Alltag gehören dürften.

4. SSDs sind noch nicht ausreichend erforscht, es kommt dauernd zu Datenverlust

Im Vergleich zu Festplatten, die bereits seit langer Zeit als Standarddatenträger im PC etabliert sind, ist die massenhafte Nutzung von SSDs noch sehr jung. Viele Hersteller auf dem SSD-Markt hatten zuvor keine oder nur wenig Erfahrungen mit Flashlaufwerken, klassische Festplattenherstellen bieten nur selten SSDs an. Der Druck des Marktes, immer schnellere und besser ausgestattete Modelle zu produzieren, sorgt zudem dafür, dass sich bei der Entwicklung der Laufwerke Fehler einschleichen können. Dass es nicht zwingend nur unbekannte Hersteller treffen muss, zeigt das Beispiel Intel, deren SSD 320 mit einem Firmware-Fehler ausgeliefert wurde, der nach einiger Zeit und in Kombination mit bestimmten Mainboardchipsätzen dafür sorgte, dass das Laufwerk nur noch 8 Megabyte Kapazität anzeigte. Die restlichen Daten waren trotz eilig nachgeschobenem Firmwareupdate verloren. Und auch die als sehr zuverlässig geltenden M4-SSDs von Crucial sorgten mit einem Firmwareprobleme für negative Schlagzeilen. Nach 5000 Betriebsstunden verursachte ein Fehler in der SSD-Betriebssoftware Bluescreens am Rechner – glücklicherweise zumeist ohne Datenverlust. Auch hier veröffentlichte der Hersteller nach kurzer Zeit ein Update und behob die Probleme. Es scheint aber tatsächlich so, dass viele Laufwerke erst einmal beim Kunden reifen, für vorsichtige Naturen ist das natürlich keine Option.

5. SSDs passen nicht in Desktop-Computer

Die meisten SSDs werden tatsächlich im 2,5-Zoll-Format gefertigt, welches hauptsächlich in Notebooks zum Einsatz kommt. Desktop-Computer bieten oft nur Einbauplätze für Laufwerke mit 3,5 Zoll oder 5,25 Zoll. Ein Problem stellt das allerdings nicht dar, für wenige Euro bieten zahlreiche Hersteller sogenannte Einbaurahmen an, mit denen sich beliebige 2,5-Zoll-Laufwerke in einem 3,5-Zoll-Schacht einbauen lassen. Da SSDs sehr robust sind und es den Laufwerken sogar egal ist, ob sie über Kopf, seitlich oder frei schwebend arbeiten, wäre es theoretisch sogar möglich, eine SSD beliebig im Gehäuse festzukleben. Einige neue Mainboards bieten zudem Steckplätze für die kleinen aber teuren mSATA-SSDs, so dass nicht einmal ein Laufwerksschacht für die SSD benötigt wird.

6. SSDs sind sehr langsam beim Schreiben von Daten

Stimmt, bauartbedingt können Flashlaufwerke (auch USB-Sticks und Speicherkarten) Daten deutlich schneller lesen als schreiben. Das liegt am Aufbau von Flashspeicher in Speicherblöcke. Ein solcher Speicherblock ist immer mehrere Kilobyte groß und muss beim Schreiben von Daten immer komplett gelöscht und neu beschrieben werden. Zu diesem Zweck werden erst die dort gespeicherten Daten ausgelesen, dann der Speicherblock gelöscht und anschließend der geänderte Inhalt des Speicherblocks gespeichert. Um diesen Vorgang zu beschleunigen, arbeiten die Hersteller mit einigen Tricks. Viele Laufwerke verfügen über einen Pufferspeicher, meist 64 bis 256 Megabyte schnellen Zwischenspeicher, der Schreibvorgänge abfängt um die zu schreibenden Daten sinnvoll sortiert und möglichst effizient zu sichern. Laufwerke mit Controllern der Firma Sandforce arbeiten mit einer internen Datenkompression um Speicherplatz und damit Zeit beim Schreiben zu sparen. Bei gut komprimierbaren Daten (wie Texten oder auch den Systemdateien von Windows) funktioniert dieser Trick sehr gut, bei bereits komprimierten Dateien (MP3-Musik, Filme, Archive) lässt sich so aber keine Leistung gewinnen. Die im Vergleich zur Lesegeschwindigkeit niedrigere Schreibgeschwindigkeit sollte allerdings nicht überbewertet werden – im Alltag wird eine SSD deutlich öfter Lesen als Schreiben. Und von den quasi nicht vorhandenen Zugriffszeiten auf einzelne Speicherpunkte profitiert das Laufwerk weiterhin.

7. Nur Windows 7 und Windows 8 können vernünftig mit SSDs umgehen

Diese Aussage stimmt zum Teil. Tatsache ist, dass Microsoft Windows 7 und Windows 8 vorbildlich auf den Einsatz mit SSDs vorbereitet hat. Die für SSDs überflüssige (und aufgrund der vielen Schreibvorgänge sogar auf Dauer schädliche) automatische Defragmentierung beispielsweise wird für SSD-Laufwerke automatisch deaktiviert. Zudem bieten die aktuellen Windows-Versionen eine sogenannte TRIM-Funktion in Verbindung mit kompatiblen SSDs. Dabei werden nicht mehr benötigte Daten in den Speicherzellen gelöscht – üblicherweise und bei Festplatten auch sinnvoll werden Löschvorgänge erst einmal nur im Dateisystem vermerkt und nicht sofort physikalisch vorgenommen. Bei SSDs hätte das auf Dauer zur Folge, dass das Laufwerk sich immer mehr mit nicht mehr benötigten Daten füllen und damit auch an Leistung verlieren würde. TRIM bereinigt den Datenmüll in einem Durchgang. Diese Funktion bieten allerdings Windows XP und Windows Vista noch nicht – und auch Linux hat mit TRIM seine Probleme. Unter Windows XP muss zu diesem Zweck ein herstellereigenes Programm regelmäßig ausgeführt werden – ein Komfortverlust gegenüber der Nutzung mit modernen Windows-Versionen. Dabei bleibt es aber, natürlich lassen sich SSDs auch mit Windows XP einsetzen, der alltägliche Verwaltungsaufwand ist nur etwas größer, so dass sich die Nutzung eines aktuellen Betriebssystems empfiehlt.

Autor: Dennis Ziesecke

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